" Das Glück des Renaissance-Menschen "

Durch das einheitliche Verständnis der Welt und das Streben nach Vollkommenheit erreicht der Sinnsuchende das in sich ruhende und glückliche Seinsgefühl. Inmitten einer sich chaotisch gebärenden Zivilisation versucht der Künstler eine kosmische Vereinigung und fühlt sich als schöpferische Kraft. Vorbild kann nur die eine allumfassende Schöpfung sein. Jeder Versuch einer Nachschöpfung variiert das Vorhandene - es erneuert, im besten Fall erweitert dieses nur graduell. Der heutige Mensch hat den Vorteil einer rückwärtigen Sicht durch die Geschichte. Auch die Vielschichtigkeit der gegenwärtigen Entwicklung trägt dazu bei, komplexer zu verstehen. Allerdings kann eine Spezialisierung, auf Grund der Tatsache des ausufernden Wissens, zur gefährlichen Schmalspur werden. Dennoch sollte das Individuum versuchen, den Überblick nicht zu verlieren und einen höheren Gesamtanspruch anzustreben. Gibt man diesen auf, kommt es automatisch zu einer subjektiven Beschränktheit - eines sich Verlierenden -. Man sollte ruhig in den riesigen Fundus der Geschichte gehen und alles so benutzen, wie ein Zauberer seine Ingredienzen oder wie der Maler seine unbegrenzte Phantasie. Keine Beschränkung sollte ihn aufhalten, weder menschliche Gesetze, religiöse Vorstellungen oder philosophische Ansichten. Derjenige, der ängstlich die nur von ihm selbst gesetzten Grenzen nicht überwindet, kann das lohnende Ziel nicht erreichen. Er muss im maßlosen Streben alle Hindernisse überwinden und alle Mittel der Freiheit auskosten. Für einen freien Geist gibt es weder Beschränkung noch ein Zurück zum sicheren Boden der Durchschnittlichkeit. Für den Künstler gibt es keine allgemein gültigen Regeln für Stile, Formen, Farben und andere Materialien seines Ausdrucks. Modische Tabus sollten ihn nicht daran hindern, große Zeiträume ohne geistige Hindernisse zu erobern. So erreicht er den Ausdruck seiner Wesenhaftigkeit als Katalysator der neuen Zeit. Gleichwohl bedeutet dies nicht automatisch Chaos und Anarchie, sondern die grenzenlose Freiheit schafft eine neue Form, die die alte ablöst und den Raum danach zeitweise besetzt. Hieraus entstehen neue Weltanschauungen, gesellschaftliche Veränderungen oder Positionen für Einzelne oder Gruppen von dynamischer Größe. Da das Universum sich seit dem Urknall nur formmäßig verändert hat, kann nichts verschwinden, sondern sich nur substantiell in einen neuen "Seinszustand" versetzen. Alle Formen in der Menschheitsgeschichte bleiben und werden nur immer neu gestaltet. Nichts wird vergessen, verlernt oder vergeht. Jede Generation muss die Welt neu kreieren; wie gut sie es macht, hängt vom Bewusstsein der Besten ab. Das Chaos oder die nicht sofort erkannte "höhere Ordnung" erscheint nur verwirrend, weil seine Vielschichtigkeit den Menschen zeitweilig überfordert. Der Starke bildet sich eine Basis für die Erweiterung der Lebensräume und strebt nach grenzenloser Offenheit.

Schwache Geister üben sich im Reden - starke Charaktere handeln