" Manifest des neuen goldenen Zeitalters – oder wie der Stier Europa erobert "

Der Schreck sitzt uns in den Gliedern, der Schock hat unser Gehirn eingenebelt. Erst langsam gebiert es wieder einen klaren Gedanken, dieser erscheint wie eine göttliche Botschaft in seiner belebenden Klarheit. „Mensch, schaffe eine neue Welt“. Recycling ist angesagt. Nicht zerstören, um aus den Trümmern des Schmerzes eine vermeintlich bessere Zukunft zusammenzubasteln. Nein. Das Beste der Vergangenheit nehmen, es wieder verstehen, mit Eigenem, Zeitgemäßem - eventuell noch Besserem - zusammenfügen. Nur aus den starken Wurzeln einer im sicheren Humus der Menschheitsgeschichte verankerten Pflanze mit vor Vielfalt strotzenden Blüten kann eines Tages eine betörend schöne und süße Frucht entstehen. Hierzu bedarf es einer intensiven Pflege, und die stützende und schützende Hand des liebenden Gärtners. Natürlich kann man auch neu pflanzen, aber bitte mit dem ausgesuchten Samen des sich schon Bewährten. Manche Zeitgenossen meinen in ihrer beschränkten Sicht, eine Hand voll Samen, zufällig irgendwo hingestreut, würde schon ein oder zwei akzeptable Pflanzen hervorbringen. Hier erweist es sich aber, dass das reichlich vorhandene Unkraut stärker ist. Genug Botanik, auch ein Symbolismus hat seine Grenzen. Konkret gesagt: „Das Heute kann nur das Morgen durch das Gestern schaffen. Tradition und Zukunft muss durch das „Jetzt“ sinnvoll verbunden werden.“ Die Kunst des 20. Jahrhunderts war reich und vielfältig. Dennoch hat sich ein verkrustetes Establishment ins 21. Jahrhundert hinübergerettet, die Minimalisten, diese Salonmaler einer kleinkarierten Welt meinen, eine Reduzierung schaffe geschmackliche Sicherheit in einer postmodernen Sintflut. Hier und heute soll keine kunsthistorische Aburteilung vorgenommen werden, sondern eine subjektive Betrachtung und der Versuch, sinngebendes Neuland zu betreten. Gleichzeitig muss man den Begriff „Avantgarde“ neu definieren. Im ersten Absatz der sogenannten „Pflanzen-Theorie“ wurde tituliert: „Das noch nicht Selbstvorhandene schöpft nicht das Kommende aus dem Nichts heraus.“ Der Suprematismus sowie die mondrianische Reduzierung können nur trotz ihrer unumstrittenen Qualität einen sogenannten Nullpunkt ansteuern. Rechtzeitig muss das Steuerrad herumgerissen werden, um tieferes Fahrwasser zu erreichen. Ansonsten haben wir eine Titanic-Katastrophe im Eismeer der Kultur mit vielen Opfern von Epigonen unter den Nichtgeretteten. Nur die Neu- sowie Wiedergeborenen erleben eine Renaissance des neuen, goldenen Zeitalters. Arte-Povera, Konzept-Art, Land-Art, Minimal-Art und wie sich alle Teilbereiche einer vergangenen Stilkunst auch nennen mögen, können in ihrer Beschränktheit nur eine Station auf der „Bildungsreise“ in die grenzenlose Zukunft sein. „Avantgarde“, der militärische Begriff - allein dies ist eine Zumutung -, kann nicht weiter das Feindesland erobern. In der neuen Welt gibt es keine Feinde, und Eroberungen werden friedlich, also geistig, gemacht. Auch zeitliche, räumliche sowie gedankliche Einengungen wird es nicht mehr geben. Grenzen aus ängstlichem Eigennutz versperren die freie Zukunft genau so wie die Ignoranz von sogenannten Avantgardisten in ihrer lächerlichen Selbstüberschätzung einer modisch-medial verflachten Zeit. Als Gegenpol kann nur die grenzenlose Schönheit des Universums dienen. Dies beinhaltet einen Reichtum an Freiheit, Unbegrenztheit, Schwerelosigkeit, Lichtgeschwindigkeit, Planetenvielfalt, permanenter Veränderlichkeit, Zeitlosigkeit. Alles Beispiele für eine neue aktive Kunst von Kosmopoliten im Gesamtkunstwerk der verschmelzenden Disziplinen. Gerade in der europäischen Kulturentwicklung gab es zeitweilig Ansätze von ermutigender Ideenhaftigkeit einer umfassenden Seins-Theorie. Das Anstreben eines Ideals als weitreichender Ideenspender einer gehofft besseren Welt sollte vergleichbar mit dem Renaissance-Gedanken die heutige Menschheit beseelen. Der speziell aus angloamerikanischem Gedankengut entstandene Konsumwahn mit dem sofortigen Bedürfnis, eine tote Dingwelt als Heilbringer zu beleben, kann nur eine oberflächliche Reizung erzeugen. Diese Schnelllebigkeit der Moden führt zum Kollaps. Immer wiederkehrende Selbstbefriedigung kann impotente Schizophrenie hervorrufen. Letztendlich schafft auch der beliebige Markt einer virtuellen Medienwelt mit ihrer überschäumenden Informationsflut keine Zukunft. Wellenartig branden die wässrigen Bilder an die festeren Dämme der zeitbewussten Kunst. Auf dem steinigen Weg in eine nebulöse Zukunft ging die Entdeckungsreise des Kulturzuges durch Wüsten der Unmenschlichkeit. Diktaturen und Kriege vernichteten die bessere Seite des menschlichen Individuums fast gänzlich. Unvorstellbare Greuel, durch perverse Machtzelebrierungen von grotesken Übertiermenschen im missverstandenen Nitzsche-Geist, drängten den Teil der lichtgebenden Kräfte brutal beiseite. Nach unendlich erscheinenden Tunnelfahrten sah man Licht am fernen Horizont. Erst nur einen Punkt, der immer größer wurde, dann eine glühende Fläche, die sich ausdehnte zu einem grenzenlosen Lichtraum. Erst langsam nahm man wieder Konturen wahr, die sich nach und nach konkretisierten. Durch Rousseau´s Grün einer zurückkehrenden Natur im Bewusstsein kam ein Halt in die Ruhelosigkeit des technischen Sturmschritts. Impressionistische Schlaglichter von betörender Schönheit kultivierten ein Credo, „L’ART POUR L’ART“ war geboren. Zwischendurch durchbricht das Aufheulen eines futuristischen Rennwagens die Stille einer nie vergehenden Statik antiker Statuen. Jede neue Station vergönnte den Zeittouristen ein nur kurzes Durchatmen im stilbildenden Kräftespiel der neuen Kulturlandschaften. Schon tauchte ein neuer Duchamp’scher Kosmos auf. Dadaistische Blitzlichter konkurrierten mit der collagierten Weltsicht kubistischer Simultanität. Kunst und Leben vereinigten sich in den neuen Kathedralen der Bauhaus-Utopien inmitten trister Betonsilos. Potemkinsche Dörfer erschienen am surrealen Horizont auf, um sofort wieder im Dunst der vorbeirasenden Erneuerungen andere Phänomene hervorzurufen. Wie Bahnarbeiter am Zeitgleis erschienen Nouveau-Realisten, Pop-Artisten und in ihrem Reduzierungswahn kaum wahrnehmbare Minimalisten im Fenster der Ausschnitthaftigkeit eines haltlosen Strebens nach Zeitmoden. Jeder nützliche Zwischenstopp auf der Grandtour des kosmopolitischen Reisenden sollte im Gepäck nur die bleibenden Erinnerungen und Erkenntnisse ansammeln. Am jeweiligen Ziel in der Gegenwartskette wird die Quintessenz eine neue Geistkunst aus kreativem Potential von gefalteten Universen hervorbringen. Die klassischen Gestaltungsdisziplinen: Malerei, Skulptur, Architektur usw. erleben ein neues, goldenes Zeitalter. Eingebettet in kulturhistorisch europäischen Humus explodieren sie im vielschichtigen Schöpfungswillen einer bewussteren Menschheit.