" Die neue Bilderfeindlichkeit im Disco-Fieber "
Im medialen Zeitalter werden die Bilder zerhackt wie Videoclips. Orgastische Stakkatos in hypergeilen Farbsymphonien durchzucken im Cybertempo die Hirne der Jugendlichen. Mit 18 Jahren schon verbraucht durch die Fan- und Fun-Kultur. Die Giganten eines neuen Imperiums von globalen Ausmaßen messen sich midashaft mit den Schätzen in Tresoren einer glorreichen Vergangenheit. Global-Player wie Madonnen kreieren einen neuen Kult des Tanzes ums goldene Kalb. Sexistische Texte behämmern die erogenen Zonen in amboss-vibrierenden Sequenzen bis zum virtuellen Orgasmus. Millionen, Milliarden, Trilliarden Perlen Schweiß verdampfen in geometrisch gestylten Frisuren der New-Life-Generation. Traum und Wirklichkeit feiern den Wahn der Liebe. Wie können geklonte Babys die Zukunft gestalten, ohne den Zorn der Götter heraufzubeschwören? Wie können geistige Kastraten und fragile nymphomanische Amazonen im Internet Sexspiele zelebrieren? Durchstylte Androgyne tanzen frenetisch im Takt der Hitparaden und feiern diabolische Rituale im coolen Outfit der Designerdrogen: Orpheus in der Businesswelt. Venusschönheit mordet im Tempel der Artemis aus Machtgier und manifestiert die Brutal-Emanze der virtuellen Zukunft. Soulige Melodien lassen braune Hüften schwingen und latine Pos von silikonunterstützter Lasterhaftigkeit kreisen in mathematischer Perfektion. Der Traum schlägt die Wirklichkeit. Das Bodystyling nimmt olympische Ausmaße an. Abgeschlagen und mega-out im vergangenen Glanz des Marmors sind die Venus von Milo, die Medici-Venus und die Aphrodite von Knidos. Gestresst zieht sich der Apoll von Belvedere, der Herkules Farnese und der Borgesische Fechter zurück, der Gallier stirbt in entrückter Vergessenheit. Mit ihnen stirbt die Philosophie im Sumpf der spirituellen Anarchie. Medienstars – unterbrochen durch zeitzerstörende Werbespots – sind die apollonischen Heroen der neuen Eitelkeit. Ihr 0lymph besteht aus Dollar-Noten von betörendem Duft der kosmetischen Ingredienzien. Die Postmoderne gestaltet ihre Paläste von babylonischen Ausmaßen und die Hallen sind durchdrungen vom angloamerikanischen Slang einer totalen Sprachverwirrung. Laserlicht macht aus Ikarus Anspruch ein jähes Ende und zurück bleibt das weiße Pulver der Vergessenheit. Sollte die globale kapitalistische Party im Anspruch einer korrekten weltpolitischen Kriegsmaschinerie mit chirurgischen Präventivschlägen zu Ende gehen? Bleiben Dokumente einer medienmanipulierten Wirklichkeit zurück und füllen Videos, CDs, Discs und Mikrofilme die virtuellen Vitrinen und Regale von einst?